Siemens S7-1200 G1 abgekündigt: Das ist seit Kurzem offiziell. Der Siemens Produktauslauf der SIMATIC S7-1200 G1 ist bestätigt. Zum 01.11.2026 wechselt die komplette erste Generation der S7-1200-Familie in die Auslaufphase (Produktstatus P.M400). Für viele mittelständische Produktionsbetriebe ist die S7-1200 G1 seit Jahren die Basis der Maschinensteuerung in der Automatisierungstechnik, oft in mehrfacher Ausführung über verschiedene Anlagenlinien verteilt. Wer jetzt nicht plant, gerät in zwei bis drei Jahren in genau die Situation, die beim Vorgänger S7-300 bereits viele Betriebe kalt erwischt hat: ein Baugruppendefekt, keine Neuteile mehr verfügbar, Stillstand.
Der Unterschied zu einer normalen Modellpflege ist der feste Zeitplan: Siemens legt mit der Auslaufankündigung ein verbindliches Enddatum für die Neuteilverfügbarkeit fest. Ab diesem Zeitpunkt beginnt eine Übergangsphase, in der Ersatzteile zwar noch zu bekommen sind, aber zunehmend über Reparatur, Restbestände oder Aufarbeitung statt über den regulären Neuvertrieb. Für Instandhaltungsverantwortliche bedeutet das vor allem eines: Der richtige Zeitpunkt für eine Entscheidung ist jetzt, nicht erst, wenn die erste Baugruppe tatsächlich ausfällt.
Dieser Beitrag ordnet ein, was die Abkündigung als Teil des laufenden Obsoleszenzmanagements konkret bedeutet, welche Baugruppen betroffen sind und welche drei realistischen Wege es gibt, damit umzugehen.
Siemens S7-1200 G1 abgekündigt: Was das konkret bedeutet
Die Bezeichnung P.M400 ist Teil des Siemens-eigenen Produktstatus-Systems: P.M300 steht für aktiven Verkauf, P.M400 für die Auslaufankündigung, P.M410 für den eigentlichen Auslauf und P.M490 für die vollständige Abkündigung. Für die S7-1200 G1 sieht der Zeitplan konkret so aus:
- 01.11.2026: offizieller Beginn der Auslaufphase (P.M400)
- bis 31.10.2027: die G1-Baugruppen sind weiterhin als Neuteil bestellbar
- danach: rund 9 weitere Jahre Ersatzteilverfügbarkeit für bereits verbaute Systeme
Das klingt zunächst nach viel Zeit. In der Praxis bedeutet es aber: Neubeschaffungen sollten ab sofort kritisch geprüft werden, weil jede heute neu verbaute G1-CPU in spätestens einem Jahr schon ein Auslaufmodell ist. Der eigentliche Engpass entsteht meist nicht am Ende der Ersatzteilfrist, sondern schon vorher, wenn Lagerbestände beim Hersteller und Distributoren zurückgehen und Lieferzeiten für einzelne Baugruppen steigen.
Für die Praxis lohnt sich ein Blick auf das Muster, das sich beim Vorgängersystem S7-300 bereits gezeigt hat: Direkt nach der offiziellen Auslaufankündigung blieb die Verfügbarkeit über Distributoren zunächst stabil, wurde aber über die Monate hinweg zunehmend lückenhaft, während gleichzeitig die Nachfrage nach Reparatur und generalüberholten Baugruppen anstieg. Wer diese Entwicklung für die S7-1200 G1 erwartet, kann jetzt mit deutlich mehr Ruhe planen als in einer akuten Stillstandssituation.

Welche Baugruppen sind betroffen?
Betroffen ist die komplette erste Generation der S7-1200-Familie, unter anderem die CPU-Baureihen 1211, 1212, 1214, 1215 und 1217 sowie die dazugehörigen Signal- und Kommunikationsmodule der G1-Serie. Der nachfolgende S7-1200 G2 übernimmt die Baugröße und das Montagekonzept, ist aber softwareseitig nicht immer eins-zu-eins austauschbar, insbesondere bei älteren TIA-Portal-Projektierungen oder speziellen Kommunikationsmodulen.
Typische Einsatzbereiche der G1-Reihe, in denen wir aktuell noch viele Anlagen sehen: kleinere Fertigungszellen, Verpackungsmaschinen, Pumpen- und Anlagensteuerungen sowie dezentrale Schaltschränke in verteilten Produktionslinien.
Wichtig für die Einschätzung des eigenen Risikos: Nicht jede Baugruppe einer Anlage ist gleich kritisch. Eine zentrale CPU, von der mehrere Teilprozesse abhängen, hat ein anderes Ausfallrisiko als ein einzelnes, redundant ausgelegtes Signalmodul. Bei der Bestandsaufnahme lohnt sich deshalb eine Priorisierung nach Funktion, nicht nur nach reiner Stückzahl der verbauten G1-Komponenten. Auch auf Bauteilebene bleiben viele Reparaturen möglich, solange die einzelnen elektronischen Komponenten auf der Platine noch verfügbar sind, unabhängig davon, ob die komplette Baugruppe als Neuteil noch gelistet ist.
Ihre drei Optionen bis zum Auslauf
Für bestehende Anlagen mit S7-1200 G1 gibt es grundsätzlich drei Wege. Keiner davon ist pauschal richtig, die passende Wahl hängt vom Alter der Anlage, der geplanten Restlaufzeit und dem Investitionsbudget ab.
Vorteile und Nachteile im Überblick
Reparatur der bestehenden G1-Baugruppe. Vorteile: geringste Kosten, keine Anpassung der Steuerungssoftware nötig, Anlage bleibt unverändert. Nachteile: nur sinnvoll, solange Ersatzteile für die Reparatur verfügbar sind, aktuell noch gegeben.
Bevorratung von Neuteilen bis 31.10.2027. Vorteile: Planungssicherheit für mehrere Jahre, keine Umstellung der Steuerung. Nachteile: Kapitalbindung durch Lagerhaltung, Lagerware altert trotzdem.
Umstieg auf S7-1200 G2. Vorteile: langfristig zukunftssicher, aktueller Support durch Siemens. Nachteile: Prüfaufwand bei der TIA-Portal-Projektierung, gegebenenfalls Anpassung von Kommunikationsmodulen, höhere Erstinvestition.

Reparatur oder Umstieg: Woran Sie die Entscheidung festmachen können
Ein S7-1200 G2 Umstieg ist nicht in jedem Fall die richtige Antwort auf die Abkündigung. Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht, aber ein paar Fragen helfen bei der Einordnung der eigenen Situation:
Wie alt ist die Anlage, und wie lange soll sie noch laufen? Bei einer Anlage, die ohnehin in zwei bis drei Jahren ersetzt oder grundlegend modernisiert wird, ist eine Reparatur oder eine gezielte Ersatzteilbevorratung meist wirtschaftlicher als ein vorgezogener Umstieg auf die G2-Generation. Bei einer Anlage mit geplanter Restlaufzeit von zehn Jahren oder mehr lohnt sich der frühzeitige Umstieg dagegen häufiger, weil er den Aufwand einer späteren, unter Zeitdruck durchgeführten Migration vermeidet.
Wie aufwendig ist die vorhandene TIA-Portal-Projektierung? Je komplexer das bestehende Programm und je mehr Kommunikationsmodule im Einsatz sind, desto größer ist der Prüf- und Anpassungsaufwand beim Umstieg auf G2. Das spricht in vielen Fällen dafür, eine Migration nicht isoliert für eine einzelne defekte Baugruppe durchzuführen, sondern im Rahmen einer geplanten Wartung oder Modernisierung.
Wie kritisch ist die betroffene Anlage für den Produktionsablauf? Für Anlagen, bei denen ein Stillstand unmittelbar die gesamte Produktion betrifft, ist eine belastbare Ersatzteil- oder Reparaturstrategie wichtiger als bei redundant ausgelegten oder weniger kritischen Nebenlinien.
Warnzeichen, auf die Sie bei bestehenden G1-Baugruppen achten sollten
Eine Abkündigung bedeutet nicht, dass eine Baugruppe kurzfristig ausfällt, sie ändert lediglich die Versorgungslage für die Zukunft. Unabhängig davon lohnt es sich, bei älteren S7-1200 G1-Systemen auf allgemeine Verschleißanzeichen zu achten: unregelmäßige oder sporadisch auftretende Fehlermeldungen im TIA Portal, auffällige Einträge im Diagnosepuffer der CPU, ungewöhnliche Reaktionszeiten einzelner Ein- und Ausgänge sowie sichtbare Verfärbungen oder Wärmeentwicklung am Gehäuse. Solche Anzeichen sind ein guter Zeitpunkt, um die eigene Ersatzteil- oder Reparaturstrategie zu überprüfen, statt erst beim vollständigen Ausfall zu reagieren.
Checkliste: Sofortmaßnahmen bis zum 01.11.2026
Anlagenbestand prüfen: Wo genau sind S7-1200 G1-Baugruppen verbaut, und in welchen CPU-Varianten? Eine vollständige Liste ist die Grundlage für alle weiteren Schritte.
Restlaufzeit einschätzen: Lohnt sich für die jeweilige Anlage in den nächsten zwei bis drei Jahren noch eine Investition in G2, oder steht ohnehin ein Ersatz an?
Kritische Baugruppen identifizieren: Welche einzelnen Baugruppen würden bei einem Ausfall den gesamten Produktionsprozess betreffen, statt nur eine untergeordnete Funktion?
Ersatzteil- oder Reparaturstrategie festlegen: Für die identifizierten kritischen Baugruppen jetzt entscheiden, bevor Lieferzeiten und Verfügbarkeit sich verschlechtern.
Neuinvestitionen prüfen: Bei ohnehin geplanten Erweiterungen abwägen, ob eine direkte Umstellung auf G2 sinnvoller ist als eine weitere G1-Neubeschaffung.
TIA-Portal-Projektierung dokumentieren: Eine saubere Dokumentation erleichtert einen späteren G2-Umstieg erheblich, unabhängig davon, wann dieser stattfindet.
Warum jetzt planen sinnvoller ist als abwarten
Beim Vorgänger S7-300 hat sich gezeigt, dass die Nachfrage nach Ersatzteilen und Reparaturen kurz vor und nach dem offiziellen Auslaufdatum spürbar ansteigt. Wer frühzeitig eine Bestandsaufnahme macht, vermeidet, im Ernstfall unter Zeitdruck nach einer Lösung suchen zu müssen. Genau das ist der Kern der Meldung Siemens S7-1200 G1 abgekündigt: Es geht nicht um einen akuten Notfall, sondern um ein planbares Zeitfenster. Ein weiterer Vorteil einer frühzeitigen Planung: Entscheidungen über Reparatur, Bevorratung oder Umstieg lassen sich in Ruhe und mit Blick auf das gesamte Anlagenportfolio treffen, statt Baugruppe für Baugruppe erst dann, wenn bereits ein Defekt vorliegt.
Die retrofit GmbH begleitet Betriebe genau in dieser Phase mit SPS-Steuerung Reparatur und der passenden Einschätzung, ob Ersatzteile beschaffen, reparieren oder umsteigen die wirtschaftlichere Wahl ist: von der Reparatur bestehender SPS-Steuerungen bis zur Einschätzung, wann ein Umstieg wirtschaftlich sinnvoller ist als eine weitere Reparatur. Am Ende steht dabei immer eine auf die jeweilige Anlage zugeschnittene Empfehlung, keine pauschale Lösung von der Stange.
Wer sich einen Überblick über das gesamte Thema Abkündigung und EOL-Management verschaffen möchte, findet in unserem Leitfaden zu abgekündigten Bauteilen in der Industrie die grundsätzliche Vorgehensweise, unabhängig vom konkreten Hersteller oder Bauteil.
Häufig gestellte Fragen
Ab wann genau gilt die S7-1200 G1 als abgekündigt?
Der offizielle Produktauslauf (Produktstatus P.M400) beginnt am 01.11.2026. Neuteile bleiben bis zum 31.10.2027 bestellbar, danach ist für rund 9 weitere Jahre die Ersatzteilversorgung für bereits verbaute Systeme vorgesehen.
Kann meine bestehende S7-1200 G1 repariert werden?
Ja. Solange Ersatzteile und Bauteile für die Reparatur verfügbar sind, ist eine Reparatur auf Bauteilebene in der Regel möglich und meist deutlich günstiger als ein kompletter Austausch. Das gilt unabhängig davon, ob Siemens die komplette Baugruppe noch als Neuteil listet, solange die einzelnen elektronischen Komponenten auf der Platine verfügbar sind.
Ist die S7-1200 G2 direkt kompatibel zur G1?
Baugröße und Montagekonzept sind vergleichbar, die TIA-Portal-Projektierung und einzelne Kommunikationsmodule müssen aber geprüft und teilweise angepasst werden. Ein direkter Eins-zu-eins-Austausch ist nicht in jedem Fall gegeben, weshalb sich ein Umstieg meist im Rahmen einer geplanten Modernisierung anbietet statt als kurzfristiger Ersatz für eine einzelne defekte Baugruppe.
Sollte ich jetzt vorsorglich Ersatzteile einlagern?
Für Anlagen mit langer geplanter Restlaufzeit kann eine gezielte Bevorratung kritischer Baugruppen sinnvoll sein, besonders für Baugruppen, von denen mehrere Teilprozesse gleichzeitig abhängen. Für Anlagen, die ohnehin in den nächsten Jahren modernisiert werden, ist ein direkter Umstieg auf G2 oft die wirtschaftlichere Option, statt zusätzlich Kapital in eine G1-Bevorratung zu binden.
Was passiert, wenn eine G1-Baugruppe nach 2027 ausfällt und kein Neuteil mehr verfügbar ist?
Dann ist die Reparatur die zuverlässigste Option, um die Anlage ohne größere Umbaumaßnahmen weiter zu betreiben, solange die dafür nötigen Bauteile verfügbar sind.
Betrifft die Abkündigung auch die Signal- und Kommunikationsmodule der G1-Serie?
Ja, die Auslaufankündigung betrifft nicht nur die CPU-Baugruppen selbst, sondern die gesamte G1-Produktfamilie, also auch die zugehörigen Signal- und Kommunikationsmodule. Bei der Bestandsaufnahme sollten deshalb nicht nur CPUs, sondern auch diese Zusatzmodule erfasst werden, da einzelne Module teils andere Verfügbarkeitszeiträume haben können als die CPU selbst.
Woher stammen die Termine zum Produktauslauf?
Die Termine basieren auf der offiziellen Siemens-Produktmitteilung zur Vorabankündigung des Produktauslaufs S7-1200, Siemens Industry Online Support, Dokument 109996314: https://support.industry.siemens.com/cs/document/109996314