Seit Jahrzehnten läuft PROFIBUS zuverlässig in tausenden Fertigungshallen, meist unauffällig im Schaltschrank, aber unverzichtbar für die Kommunikation zwischen Steuerung und Feldebene. Mit der PROFIBUS-Abkündigung bei Siemens beginnt nun ein Kapitel, das viele Betriebe noch unterschätzen. Zum 1. Oktober 2026 verschiebt sich der Status zentraler PROFIBUS-Komponenten in die Auslaufphase, darunter Repeater, DP/DP-Koppler und Anschlussstecker. Für Instandhaltungsteams bedeutet das keine akute Krise, aber einen klaren Planungshorizont. Wer jetzt versteht, welche Fristen gelten und welche Optionen bestehen, vermeidet spätere Engpässe und kann die Umstellung in Ruhe vorbereiten.
Was die PROFIBUS-Abkündigung konkret bedeutet
Siemens strukturiert das Ende eines Produktlebenszyklus in mehreren klar definierten Meilensteinen. Der erste, PM400, markiert den sogenannten Produktauslauf: Ab diesem Zeitpunkt wird ein Produkt nicht mehr aktiv beworben, bleibt aber regulär bestellbar. Für diese Komponenten gilt der Meilenstein zum 1. Oktober 2026. Der zweite Schritt, PM410, folgt ein Jahr später zum 1. Oktober 2027 und bringt die Typstreichung. Ab dann sind Neuteile nicht mehr regulär erhältlich, Ersatzteile bleiben aber verfügbar, wenn auch mit eingeschränkter Auswahl und längeren Lieferzeiten. Der letzte Meilenstein, PM490, das eigentliche Support-Ende, ist frühestens zehn Jahre nach PM400 vorgesehen. Die genauen Fristen und Begriffe lassen sich in der offiziellen Erläuterung von Siemens nachvollziehen. Wichtig für die Praxis: Bestehende Anlagen müssen nicht sofort ersetzt werden, der Zeitdruck ist geringer, als viele Meldungen suggerieren.
Welche Komponenten betroffen sind

Von der Abkündigungsphase betroffen sind vor allem Infrastruktur-Bauteile rund um das PROFIBUS-Netzwerk:
- DP/DP-Koppler zur Kopplung zweier Bussegmente
- Standard- und Diagnose-Repeater zur Signalverstärkung
- Anschlussstecker und aktive Abschlusswiderstände
- Bestimmte S7-300-Baugruppen mit integrierter PROFIBUS-Schnittstelle
- Einzelne S7-1500-CPUs der ersten Generation mit Onboard-PROFIBUS
Nicht betroffen sind aktuell die Schnittstellen der S7-400, die laut Siemens-Roadmap noch deutlich länger im Programm bleiben. Für eine genaue Einschätzung der eigenen Anlage lohnt sich der Blick in die Bestellnummern der verbauten Komponenten.
Was das für den laufenden Betrieb bedeutet
Eine abgekündigte Komponente fällt nicht am nächsten Tag aus. Sie läuft in aller Regel unverändert weiter, solange sie nicht defekt ist. Das eigentliche Risiko entsteht schleichend: Mit jedem Jahr nach PM410 wird die Neuteilbeschaffung enger, Preise ziehen an, und im Schadensfall bleibt weniger Zeit für eine durchdachte Lösung. Genau hier setzt professionelles EOL-Management an, die vorausschauende Planung des Bauteil-Lebenszyklus, bevor ein Ausfall zur Notlage wird. Eine fachgerechte SPS-Reparatur verlängert oft die Nutzungsdauer bestehender Baugruppen zusätzlich, ohne dass gleich ein kompletter Austausch nötig wird. Wer die eigene Anlage kennt und kritische Netzwerksegmente identifiziert, kann die Umstellung nach eigenem Zeitplan angehen statt im Krisenmodus.
Weiterbetreiben oder auf PROFINET migrieren: Die Optionen
Grundsätzlich stehen Betrieben zwei Wege offen. Der erste Weg ist der geplante Weiterbetrieb der bestehenden Infrastruktur, gestützt durch eine solide Ersatzteilstrategie und regelmäßige Bestandsprüfung kritischer Baugruppen. Eine strukturierte Beschaffungsplanung hilft dabei, Engpässe frühzeitig zu erkennen und Single Points of Failure gezielt abzusichern. Der zweite Weg ist die schrittweise Migration auf PROFINET, das Siemens und die gesamte Branche mittlerweile klar als Nachfolgetechnologie positionieren. PROFINET bringt höhere Datenraten, bessere Diagnosemöglichkeiten und eine einfachere Integration in IT-Netzwerke mit sich. Beide Wege sind wirtschaftlich sinnvoll, welcher passt, hängt vom Alter der Anlage, ihrer verbleibenden Nutzungsdauer und der Kritikalität für die Produktion ab.
So gehen Betriebe die Umstellung strukturiert an
Der erste Schritt ist immer eine ehrliche Bestandsaufnahme: Welche Anlagenteile arbeiten heute mit diesem Feldbus, welche Bestellnummern sind konkret verbaut, und wie kritisch ist der jeweilige Strang für die Produktion? Darauf folgt eine Priorisierung. Nicht jede Anlage muss gleichzeitig umgestellt werden, kritische Linien mit hohem Stillstandsrisiko verdienen die erste Aufmerksamkeit, unkritische Nebenanlagen können länger im Bestand bleiben. Ein tieferes Verständnis der eigenen Steuerungsarchitektur erleichtert diese Einschätzung erheblich, da sich Kommunikationswege und Abhängigkeiten oft erst beim genauen Blick auf die Steuerungsstruktur zeigen. Zuletzt lohnt sich ein Parallelbetrieb während der Testphase, um neue PROFINET-Strecken unter realen Bedingungen zu prüfen, bevor die alte Verbindung endgültig abgeschaltet wird.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich meine PROFIBUS-Anlage jetzt sofort ersetzen?
Nein. Der Meilenstein PM400 bedeutet lediglich, dass die Komponenten nicht mehr aktiv vermarktet werden. Bestehende Anlagen laufen unverändert weiter, eine sofortige Umstellung ist technisch nicht erforderlich.
Wie lange gibt es noch Ersatzteile für diese Komponenten?
Nach der Typstreichung PM410 zum 1. Oktober 2027 bleiben Ersatzteile grundsätzlich verfügbar, allerdings mit eingeschränkter Auswahl und längeren Lieferzeiten. Das eigentliche Support-Ende folgt frühestens zehn Jahre nach PM400.
Was unterscheidet PROFIBUS grundlegend von PROFINET?
PROFIBUS überträgt Daten seriell über eine feste Busleitung mit begrenzter Geschwindigkeit. PROFINET nutzt Ethernet-Technologie, bietet deutlich höhere Datenraten und lässt sich einfacher in bestehende IT-Netzwerke einbinden.
Fazit
Die PROFIBUS-Abkündigung ist kein Grund zur Eile, aber ein guter Anlass für eine strukturierte Bestandsaufnahme. Wer jetzt die eigenen Anlagen kennt, kritische Komponenten identifiziert und eine Strategie zwischen Weiterbetrieb und Migration festlegt, spart sich später teure Last-Minute-Entscheidungen. Bei Fragen zur Bewertung einzelner Baugruppen oder zur Beschaffung auslaufender Feldbus-Komponenten steht retrofit GmbH als erfahrener Partner zur Seite.