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Siemens S7-300 abgekündigt: Was Betreiber jetzt tun sollten

Schwarzes Cover-Bild mit geöffnetem Schaltschrank mit SPS-Baugruppen und der Headline „S7-300 abgekündigt. Handeln statt warten"

Die Siemens SIMATIC S7-300 gehört zu den am weitesten verbreiteten SPS-Plattformen in der europäischen Industrie. Seit Oktober 2025 ist die S7-300 abgekündigt: Über 268 Baugruppen der Serien S7-300 und ET 200M haben den Meilenstein PM410 erreicht und sind bei Siemens nicht mehr als Neuteile verfügbar. Für Anlagenbetreiber wird die Frage nach Ersatzteilen, Instandsetzung und langfristiger Planung damit unmittelbar relevant.

Was bedeutet die Abkündigung konkret?

Siemens strukturiert den Produktlebenszyklus seiner Automatisierungstechnik in klar definierten Meilensteinen. Die S7-300 hat diesen Prozess wie folgt durchlaufen:

  • PM400 (Oktober 2023): Ankündigung des Produktauslaufs. Die Komponenten wurden aus dem aktiven Katalog genommen, waren aber weiterhin als Neuteile bestellbar.
  • PM410 (Oktober 2025): Typstreichung. Seit diesem Datum produziert Siemens keine neuen S7-300 Module mehr. Verfügbar sind ausschließlich Restbestände in begrenzter Menge, zu steigenden Preisen.
  • Versorgungszusage bis ca. 2033: Siemens garantiert die Belieferung für mindestens zehn Jahre nach PM400. Spätestens ab Oktober 2033 endet auch diese Phase (PM490).

Betroffen sind sämtliche Bestandteile der S7-300 Familie: CPUs aller Leistungsklassen, digitale und analoge Ein-/Ausgangsmodule, Kommunikationsprozessoren, Netzteile sowie alle ET 200M Peripheriemodule. Als funktionalen Nachfolger empfiehlt Siemens die SIMATIC S7-1500 mit dem TIA Portal für die Fabrikautomation und die S7-400 mit ET 200SP HA für die Prozessautomation.

Welche Komponenten sind betroffen?

Die Typstreichung betrifft nicht einzelne Module, sondern die gesamte S7-300 Plattform einschließlich ET 200M. Dazu zählen unter anderem:

  • CPUs der Baureihen 312, 313, 314, 315, 317 und 319
  • Digitale Eingabe- und Ausgabemodule (SM 321, SM 322, SM 323)
  • Analoge Varianten (SM 331, SM 332, SM 334)
  • Kommunikationsprozessoren für PROFIBUS und Industrial Ethernet (CP 342, CP 343)
  • Stromversorgungen (PS 307)
  • Interfacemodule und Buskoppler der ET 200M

s ersatzteile lagerregal restbestände

Wer heute eine dieser Komponenten als Neuteil bei Siemens bestellen möchte, erhält eine Absage. Die verbliebenen Lagerbestände werden zudem mit deutlichen Aufschlägen bepreist.

Auswirkungen auf den laufenden Betrieb

Die S7-300 selbst läuft nach der Typstreichung unverändert weiter. Bestehende Programme, Konfigurationen und Prozesse bleiben funktionsfähig. Das Problem entsteht erst bei einem Bauteilausfall: Wenn eine CPU, ein Netzteil oder ein E/A-Modul ausfällt, wird die Beschaffung eines passenden Nachschubs zunehmend schwieriger und teurer.

Besonders kritisch wird die Lage für Anlagen mit hoher Verfügbarkeitsanforderung. Ein ungeplanter Stillstand, der bisher durch einen schnellen Modultausch in wenigen Stunden behoben werden konnte, kann sich ohne verfügbare Komponenten zu einem mehrtägigen Produktionsausfall entwickeln. In der Lebensmittel-, Pharma- oder Automobilindustrie entstehen dabei Kosten im fünfstelligen Bereich pro Tag.

Wer seine Anlagen auf eine strategische Beschaffungsplanung ausgerichtet hat, steht in dieser Phase deutlich besser da als Verantwortliche, die erst im Störungsfall nach passenden Teilen suchen.

Ersatzteile sichern, reparieren oder migrieren

Option 1: Kritische Module bevorraten

Für Anlagen, die noch mehrere Jahre mit der S7-300 weiterlaufen sollen, ist eine gezielte Bevorratung der wichtigste erste Schritt. Das bedeutet: Bestandsaufnahme aller eingesetzten S7-300 Komponenten, Identifikation kritischer Module ohne Redundanz und Aufbau eines Sicherheitsbestands für die nächsten fünf bis acht Jahre.

Unabhängige Dienstleister mit eigenem Lager und Zugang zu geprüften Teilen bieten hier eine wesentlich günstigere Alternative als die Restbestände von Siemens zu regulären Aufschlagspreisen.

Option 2: Instandsetzung statt Neukauf

Viele S7-300 Module lassen sich professionell reparieren. Defekte Kondensatoren, beschädigte Leiterplatten oder ausgefallene Spannungsregler sind typische Fehlerbilder, die in einer spezialisierten Werkstatt behoben werden können. Die Kosten für eine Instandsetzung liegen dabei deutlich unter dem Marktwert eines gebrauchten oder aufbereiteten Moduls.

Voraussetzung ist eine saubere Fehlerdiagnose und ein Partner, der die Komponenten nach der Wiederherstellung vollständig testet. So lässt sich die Lebensdauer bestehender S7-300 Steuerungen um Jahre verlängern, ohne die Anlage umbauen zu müssen. Wer einen zuverlässigen Dienstleister für SPS-Instandsetzung sucht, sollte auf herstellerübergreifende Erfahrung, transparente Prüfberichte und eine solide Garantie achten.

Option 3: Umstieg auf S7-1500

Für Neuanlagen oder Anlagen mit geplantem Umbau führt kein Weg an der S7-1500 vorbei. Siemens stellt Leitfäden und Konvertierungswerkzeuge im TIA Portal bereit, die den Wechsel von STEP 7 Classic auf TIA Portal erleichtern. Die Konvertierung komplexer AWL-Programme erfordert allerdings technische Erfahrung und gründliches Testen.

Eine sofortige Komplettumstellung aller Anlagen ist für die meisten Betriebe weder wirtschaftlich noch organisatorisch realistisch. Sinnvoller ist ein gestufter Plan: Neue Anlagen direkt mit S7-1500 aufbauen, bestehende Anlagen mit S7-300 durch gezielte Bevorratung und Instandsetzung weiterbetreiben und die Erneuerung nach Priorität staffeln.

Häufig gestellte Fragen

Funktioniert meine S7-300 nach der Typstreichung noch?

Ja. Die Typstreichung betrifft ausschließlich die Verfügbarkeit von Neuteilen bei Siemens. Die installierte Hardware läuft unverändert weiter. Erst bei einem Bauteilausfall wird die eingeschränkte Teileverfügbarkeit zum Problem.

Wie lange liefert Siemens noch Ersatzteile?

Siemens garantiert die Versorgung mit Komponenten bis mindestens Oktober 2033. Die Preise steigen in dieser Phase jedoch progressiv an. Ab 2033 sind bei Siemens weder Nachschubteile noch Instandsetzungen verfügbar. Unabhängige Anbieter und spezialisierte Dienstleister können darüber hinaus unterstützen.

Lohnt sich eine Instandsetzung alter S7-300 Module?

In den meisten Fällen ja. Die Wiederherstellung einer defekten CPU oder eines Kommunikationsprozessors kostet einen Bruchteil gegenüber aktuellen Marktpreisen für gebrauchte Teile. Entscheidend ist, dass der Dienstleister das Modul vollständig testet und eine Garantie gewährt.

Fazit

Der Produktauslauf der Siemens S7-300 ist kein Grund zur Panik, aber ein klarer Handlungsaufruf. Wer jetzt Bestände analysiert, kritische Ersatzteile sichert und einen Partner für Instandsetzungen an der Hand hat, kann seine Anlagen noch viele Jahre zuverlässig weiterbetreiben. retrofit GmbH unterstützt dabei mit herstellerübergreifender Instandsetzung, Beschaffung abgekündigter Komponenten und technischer Beratung für die langfristige Absicherung Ihrer Automatisierungstechnik.

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