Siemens S7-300 abgekündigt: Seit dem 1. Oktober 2025 befindet sich die Baureihe zusammen mit ET 200M im Status PM410. Neue Baugruppen werden nicht mehr produziert, Reparatur und Ersatzteilbeschaffung bleiben jedoch möglich.
Siemens S7-300 abgekündigt: Was bedeutet die Abkündigung?
Siemens hat das Ende dieser Baureihe und des Peripheriesystems ET 200M in mehreren Schritten angekündigt. Am 1. Oktober 2023 begann mit PM400 die Auslaufphase. Seit dem 1. Oktober 2025 gilt PM410. Dieser Status wird bei Siemens als Typstreichung bezeichnet.
Für Betreiber bedeutet das vor allem: Die Verfügbarkeit einzelner Baugruppen wird mit der Zeit schwieriger. Wer diese Steuerung in seiner Maschine nutzt, sollte deshalb frühzeitig prüfen, welche Teile besonders wichtig sind und was bei einem Ausfall passieren soll.
Die offizielle Information finden Sie im Siemens Industry Online Support, Dokument ID 109809890.
Welche S7-300 Teile können betroffen sein?
In bestehenden Anlagen sind häufig verschiedene Komponenten dieser Steuerungsfamilie und des ET 200M verbaut. Dazu gehören:
- S7-300 CPUs
- digitale und analoge Eingänge und Ausgänge
- Kommunikationsbaugruppen
- Funktionsbaugruppen
- ET 200M Schnittstellenbaugruppen
- Spannungsversorgungen
- Frontstecker und weiteres Zubehör
Entscheidend ist immer die genaue Bestellnummer. Zwei Baugruppen können ähnlich aussehen und trotzdem nicht ohne Prüfung gegeneinander ausgetauscht werden.
Woran erkennt man einen möglichen Defekt?
Ein Fehler zeigt sich nicht immer durch einen vollständigen Stillstand. Häufig treten zuerst einzelne Probleme auf:
- Die Steuerung startet nicht mehr.
- Ein Eingang oder Ausgang reagiert nicht.
- Eine Baugruppe wird nicht erkannt.
- Die Kommunikation fällt aus.
- Eine Fehlermeldung kommt immer wieder.
- Die Anlage funktioniert erst nach einem Neustart.
- Der Fehler tritt nur gelegentlich auf.
Auch unregelmäßige Störungen sollten ernst genommen werden. Für die erste Prüfung helfen die Bestellnummer, ein Foto vom Typenschild, vorhandene Fehlercodes und eine kurze Beschreibung des Problems.
Mehr zu typischen Fehlern und zum Ablauf finden Sie in unserem Beitrag über die Reparatur von PLC und SPS Steuerungen.

Eine Reparatur kann sinnvoll sein, wenn die Anlage grundsätzlich zuverlässig läuft und nur eine einzelne Baugruppe ausgefallen ist.
Vorteile einer Reparatur
- Die vorhandene Anlagenstruktur kann erhalten bleiben.
- Eine vollständige Umrüstung ist nicht sofort nötig.
- Bestehende Programme und Abläufe müssen möglicherweise nicht umfassend geändert werden.
- Der Aufwand kann geringer sein als bei einem kompletten Systemwechsel.
- Die Lebensdauer einer bewährten Maschine kann verlängert werden.
Nachteile und Grenzen einer Reparatur
- Nicht jede Baugruppe kann repariert werden.
- Bestimmte Bauteile können schwer verfügbar sein.
- Bei stark beschädigten Baugruppen kann eine Reparatur technisch oder wirtschaftlich nicht sinnvoll sein.
- Eine Reparatur löst nicht automatisch die langfristige Ersatzteilfrage für die gesamte Anlage.
- Ob eine Reparatur möglich ist, lässt sich erst nach einer technischen Prüfung sicher beurteilen.
Ersatzteile beschaffen: Vorteile und Nachteile
Ein passendes Ersatzteil kann die schnellste Lösung sein, wenn eine Baugruppe ausfällt und keine aufwendige Umrüstung geplant ist. Möglich sind je nach Verfügbarkeit Restbestände, geprüfte gebrauchte Teile oder aufbereitete Baugruppen.
Vorteile eines Ersatzteils
- Die bestehende Anlage kann häufig ohne vollständigen Umbau weiterbetrieben werden.
- Ein passendes Modul kann einen akuten Ausfall überbrücken.
- Kritische Baugruppen lassen sich vorsorglich auf Lager legen.
- Das vorhandene Steuerungssystem bleibt zunächst bestehen.
Nachteile und Risiken bei Ersatzteilen
- Die genaue Bestellnummer und Ausführung müssen passen.
- Die Herkunft und der technische Zustand sollten geprüft werden.
- Manche Varianten werden mit der Zeit seltener.
- Ein ähnlich aussehendes Modul ist nicht automatisch kompatibel.
- Ohne Prüfung besteht das Risiko eines Fehlkaufs.
Unsere Beschaffungs Checkliste für Automatisierungskomponenten zeigt, welche Angaben vor einer Bestellung wichtig sind.
Umrüstung auf S7-1500: Vorteile und Nachteile
Für neue Anlagen und größere Modernisierungen ist die Siemens S7-1500 eine mögliche Nachfolgeplattform. Eine Umrüstung kann sinnvoll sein, wenn mehrere alte Baugruppen betroffen sind oder die Anlage ohnehin technisch erneuert werden soll.
Vorteile einer Umrüstung
- Die Anlage wechselt auf eine aktuelle Steuerungsgeneration.
- Die langfristige Planung kann einfacher werden.
- Neue Funktionen und Diagnosemöglichkeiten können genutzt werden.
- Mehrere alte Baugruppen können im Rahmen eines geplanten Projekts ersetzt werden.
Nachteile einer Umrüstung
- Die Umrüstung kostet Zeit und Geld.
- Programme und Einstellungen müssen geprüft und eventuell angepasst werden.
- Verdrahtung, Kommunikation und Peripherie können Änderungen erfordern.
- Tests und eine geplante Stillstandszeit können notwendig sein.
- Ein direkter Austausch ohne Anpassungen ist nicht in jedem Fall möglich.
Deshalb ist die S7-1500 nicht automatisch für jede bestehende Anlage die beste Sofortlösung. Die Entscheidung hängt vom Zustand der Maschine, der benötigten Laufzeit, den vorhandenen Ersatzteilen und den geplanten Investitionen ab.
Reparatur, Ersatzteil oder Umrüstung: Was ist sinnvoll?

Eine einfache Entscheidungshilfe:
Reparatur prüfen
Eine Reparatur passt häufig, wenn nur eine Baugruppe defekt ist, die restliche Anlage stabil läuft und ein kompletter Umbau aktuell nicht geplant ist.
Ersatzteil prüfen
Ein Ersatzteil passt häufig, wenn die genaue Bestellnummer bekannt ist und die Anlage schnell wieder laufen soll. Bei wichtigen Baugruppen kann auch eine vorsorgliche Lagerung sinnvoll sein.
Umrüstung prüfen
Eine Umrüstung passt eher, wenn mehrere Teile veraltet sind, wiederholt Störungen auftreten oder die Maschine ohnehin modernisiert werden soll.
In manchen Fällen ist auch eine Kombination sinnvoll: Die defekte Baugruppe wird zunächst repariert oder ersetzt. Parallel wird die spätere Umrüstung geplant. So muss die Entscheidung nicht unter dem Druck eines akuten Anlagenstillstands getroffen werden.
Checkliste: So bereiten Sie sich auf einen S7-300 Ausfall vor
Schritt 1: Bestand erfassen
Notieren Sie alle verbauten S7-300 und ET 200M Baugruppen mit vollständiger Bestellnummer.
Schritt 2: Wichtige Baugruppen bestimmen
Prüfen Sie, bei welchem Teil ein Ausfall die gesamte Maschine oder Produktion stoppen würde.
Schritt 3: Daten sichern
Halten Sie Programme, Einstellungen, Schaltpläne und vorhandene Sicherungen aktuell.
Schritt 4: Ersatz prüfen
Klären Sie, welche Baugruppen repariert werden können und welche Ersatzteile verfügbar sind.
Schritt 5: Lagerbestand planen
Legen Sie besonders wichtige und schwer verfügbare Teile bei Bedarf vorsorglich auf Lager.
Schritt 6: Umrüstung vorbereiten
Wenn die Anlage noch mehrere Jahre laufen soll, prüfen Sie rechtzeitig, ob und wann ein Wechsel auf die S7-1500 sinnvoll ist.
Häufige Fragen zur abgekündigten Steuerungsbaureihe

Ist die Siemens S7-300 wirklich abgekündigt?
Ja. Die Steuerungsbaureihe und ET 200M befinden sich seit dem 1. Oktober 2025 im Siemens Status PM410. Siemens bezeichnet diesen Schritt als Typstreichung.
Kann eine Siemens S7-300 noch repariert werden?
Viele Fehler lassen sich grundsätzlich prüfen und je nach Schaden reparieren. Ob eine konkrete Baugruppe repariert werden kann, hängt vom Fehler, vom Zustand und von der Verfügbarkeit passender Bauteile ab.
Gibt es noch Ersatzteile für die S7-300?
Je nach Bestellnummer können noch Restbestände, geprüfte gebrauchte Teile oder aufbereitete Baugruppen verfügbar sein. Die Verfügbarkeit sollte für jedes Modul einzeln geprüft werden.
Muss eine S7-300 Anlage sofort auf S7-1500 umgerüstet werden?
Nein. Eine sofortige Umrüstung ist nicht in jedem Fall nötig. Wenn die Anlage stabil läuft, können Reparatur und Ersatzteilbeschaffung eine sinnvolle Lösung sein. Bei einer größeren Modernisierung sollte die S7-1500 als mögliche Alternative geprüft werden.
Was ist besser: S7-300 reparieren oder auf S7-1500 umrüsten?
Das hängt von der Anlage ab. Bei einem einzelnen Defekt kann eine Reparatur sinnvoll sein. Wenn mehrere Baugruppen alt sind oder neue Funktionen benötigt werden, kann eine geplante Umrüstung die bessere langfristige Lösung sein.
Welche Angaben werden für eine erste Prüfung benötigt?
Hilfreich sind die vollständige Bestellnummer, ein Foto des Typenschilds, vorhandene Fehlercodes und eine kurze Beschreibung des Fehlers. Bei unregelmäßigen Störungen sollte zusätzlich angegeben werden, wann der Fehler auftritt.
Nächster Schritt bei einer defekten S7-300
Wenn eine S7-300 oder ET 200M Baugruppe ausgefallen ist, sollte zuerst die genaue Bestellnummer und das Fehlerbild geprüft werden. Danach lässt sich besser entscheiden, ob eine Reparatur, ein Ersatzteil oder eine spätere Umrüstung sinnvoll ist.
Für die Anfrage sollten folgende Angaben vorbereitet werden:
- Hersteller und vollständige Bestellnummer
- Foto des Typenschilds
- vorhandener Fehlercode
- kurze Beschreibung der Störung
- Angabe, ob der Fehler dauerhaft oder nur gelegentlich auftritt
- gewünschte Lösung: Reparatur, Ersatzteil oder Beratung zur Umrüstung