Siemens hat für die Servoantriebe der Baureihe SINAMICS V90 den Meilenstein P.M400 erklärt, den offiziellen Beginn des Produktauslaufs. Für Betriebe, die den V90 in Verpackungsmaschinen, Handling-Systemen oder Fördertechnik einsetzen, bedeutet das: Die aktive Vermarktung endet, während die Geräte noch eine Zeit lang bestellbar bleiben. Wer jetzt plant, vermeidet spätere Engpässe und unnötig hohe Ersatzteilpreise.
Dieser Artikel erklärt, was der Status P.M400 konkret bedeutet, welche Fristen gelten und welche Optionen Einkauf und Instandhaltung jetzt haben.
Was bedeutet der Produktauslauf des SINAMICS V90?
Der SINAMICS V90 ist ein kompaktes Servoantriebssystem, das Siemens gemeinsam mit den SIMOTICS S-1FL6 Motoren für dynamische Positionier- und Bewegungsaufgaben anbietet. Typische Einsatzgebiete sind Verpackungsmaschinen, elektronische Montagesysteme und Materialhandling, oft in Kombination mit einer SIMATIC S7-1200 oder S7-1500 T-CPU über PROFINET.
Mit dem Meilenstein P.M400 stellt Siemens die aktive Vermarktung des Produkts ein. Die Geräte verschwinden aus dem Katalog, bleiben aber zunächst noch als Neuteil verfügbar. Nach Siemens-Systematik markiert P.M400 den Startpunkt der zehnjährigen Ersatzteilverpflichtung. Die nächste Stufe, die Typstreichung P.M410, folgt in der Regel danach und beendet den Neuteilbezug endgültig, sodass Komponenten dann nur noch als Ersatzteil erhältlich sind.
Der Wechsel betrifft primär Regionen außerhalb Chinas. Als Nachfolgesysteme nennt Siemens vor allem die Baureihe SINAMICS S200, wahlweise ergänzt um das Servoantriebssystem S210 je nach Anwendungsprofil.
Warum der Produktauslauf für Betriebe mit V90-Anlagen wichtig ist
Wer den V90 in Bestandsanlagen verbaut hat, steht vor zwei parallelen Fragen: Wie lange lässt sich die aktuelle Anlage noch unverändert betreiben, und wann lohnt sich der Umstieg auf ein Nachfolgesystem?
Ohne rechtzeitige Planung drohen zwei typische Probleme. Erstens steigen Ersatzteilpreise in der Regel deutlich, sobald ein Produkt aus der aktiven Vermarktung genommen wird, weil die Fertigung nicht mehr im regulären Volumen läuft. Zweitens wird die Migration auf ein neues System technisch komplexer, je länger man wartet, da Projektdateien, Parametersätze und die Anbindung an TIA Portal sorgfältig übertragen werden müssen.
Besonders kritisch wird es bei Maschinen, für die keine vollständige Dokumentation der Antriebsparameter mehr vorliegt. Fehlt diese, kann ein Defekt im schlimmsten Fall zum vollständigen Stillstand führen, selbst wenn ein Ersatzgerät technisch verfügbar wäre.
Kurz-Check: Betrifft Sie der Produktauslauf akut?
Nicht jede Anlage mit V90-Antrieb braucht sofortiges Handeln. Die folgenden Punkte helfen bei einer ersten Einschätzung:
- Läuft die Anlage in einem produktionskritischen Prozess, bei dem ein Ausfall zum vollständigen Stillstand führt?
- Liegen Parametersätze und Projektdateien vollständig und aktuell dokumentiert vor?
- Ist die Baugröße oder Variante des verbauten V90 bereits eindeutig identifiziert?
- Steht ohnehin in den kommenden ein bis zwei Jahren eine größere Modernisierung der Anlage an?
- Gibt es bereits einen Ersatzteilbestand für den Antrieb im eigenen Lager?
Wer mehrere Punkte mit Nein beantwortet, sollte die Bestandsaufnahme priorisieren, bevor über Migration oder Reparatur entschieden wird.
Optionen für Betreiber: Migration, Ersatzteilbevorratung oder Reparatur

Betriebe mit V90-Antrieben haben grundsätzlich drei Wege, auf den Produktauslauf zu reagieren.
Die erste Option ist die Migration auf ein Nachfolgesystem. Der Wechsel auf die SINAMICS S200 oder S210 bringt technische Vorteile wie höhere Performance und aktuelle Sicherheitsstandards, erfordert aber Aufwand bei Verdrahtung, Parametrierung und je nach bestehender Steuerungsanbindung auch bei der Reparatur von Frequenzumrichtern verwandter Komponenten im Schaltschrank, wenn diese im Zuge des Umbaus mitgeprüft werden müssen.
Die zweite Option ist der gezielte Aufbau eines Ersatzteilbestands für kritische Anlagen, bei denen ein kurzfristiger Umbau wirtschaftlich oder technisch nicht sinnvoll ist. Hier zahlt sich eine frühzeitige Bestandsaufnahme aus, welche V90-Varianten in welchen Maschinen verbaut sind.
Die dritte Option ist die Reparatur bestehender Geräte statt Austausch. Gerade bei einem einzelnen defekten Antrieb in einer ansonsten funktionierenden Anlage ist eine fachgerechte Beschaffung und Reparatur von Antriebstechnik oft die wirtschaftlichere Lösung, da die bestehende Mechanik, Parametrierung und Maschinenanbindung erhalten bleiben.
Welche Option passt, hängt vom Zustand der Anlage, der verbleibenden Nutzungsdauer und der Kritikalität der betroffenen Maschine ab.
Praktische Schritte für Einkauf und Instandhaltung

Um den Produktauslauf des SINAMICS V90 sicher zu managen, empfiehlt sich ein strukturiertes Vorgehen.
Zunächst sollte eine Bestandsaufnahme aller verbauten V90-Antriebe erfolgen, inklusive Typenschild, Baugröße und Firmwarestand. Parallel dazu lohnt sich die Sicherung aller Parametersätze und Projektdateien, damit im Bedarfsfall keine Neuprojektierung von Grund auf nötig wird. Anschließend sollte für jede betroffene Anlage bewertet werden, ob eine Migration, eine Ersatzteilbevorratung oder eine Reparaturstrategie sinnvoller ist. Wichtig ist außerdem, den aktuellen Status der eigenen Komponenten direkt beim Siemens-Vertriebspartner zu verifizieren, da sich Fristen je nach Baugröße und Ausführung unterscheiden können.
Häufig gestellte Fragen
Ist der SINAMICS V90 sofort nicht mehr lieferbar?
Nein. Mit dem Status P.M400 endet die aktive Vermarktung, Neuteile bleiben aber zunächst noch bestellbar. Erst mit der späteren Typstreichung P.M410 endet der reguläre Neuteilbezug endgültig.
Welches Nachfolgesystem empfiehlt Siemens?
Siemens nennt vor allem die Baureihe SINAMICS S200 als Nachfolgelösung, je nach Anwendung ergänzt um das Servoantriebssystem S210.
Lohnt sich eine Reparatur des V90 noch, wenn das Produkt ausläuft?
Ja, in vielen Fällen. Solange die Anlage insgesamt funktionsfähig ist und keine grundsätzliche Modernisierung ansteht, ist die Reparatur eines einzelnen defekten Antriebs häufig wirtschaftlicher als eine komplette Migration.
Fazit
Der Produktauslauf des SINAMICS V90 ist kein Grund zur Panik, aber ein klares Signal, jetzt aktiv zu werden. Wer frühzeitig Bestand, Parameter und Anlagenkritikalität bewertet, kann in Ruhe entscheiden, ob Migration, Ersatzteilbevorratung oder Reparatur der richtige Weg ist. Die retrofit GmbH unterstützt Betriebe dabei, betroffene Antriebstechnik zu prüfen, zu reparieren oder passende Ersatz- und Austauschlösungen zu finden, damit Produktionsanlagen zuverlässig weiterlaufen.